Jamikow

Kastanie sorgt für Unruhe (April2005)
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Gutachten: Kastanie ist bruchgefährdet - Von Oliver Schwers (www.moz.de)
Jamikow. Wilhelm Wokoun ist verzweifelt. Der 75-Jährige aus Jamikow fürchtet um sein Haus und die angrenzende Garage. Eine kranke Kastanie an der Straße vor seinem Grundstück lässt ihn bei jedem Sturm unruhig werden. Doch der Landkreis will keine Fällung vornehmen.Vermutlich war es einer der früheren Gutsbesitzer, der die Allee an der Jamikower Hauptverkehrsstraße anlegen ließ. Ein munterer Wechsel von Eichen, Kastanien und Eschen säumt den Weg und spendet Schatten. Doch die meisten Stämme sind weit über 100 Jahre alt. Offensichtliche Schäden durch Schädlinge und Pilze machen ihnen zu schaffen. Einige wurden in den vergangenen Jahren auf Grund zunehmender Gefahr bereits gefällt.Mit Sorge betrachtet Wilhelm Wokoun vor allem eine Kastanie direkt an seinem Gartenzaun. Der Rentner, der vor dem Grundstück für peinliche Sauberkeit sorgt und jedes Jahr mindestens sieben Autoanhänger Laub fortschafft, will den kranken Baum absägen lassen. "Die Kastanie ist nicht mehr standsicher", sagt der 75-Jährige. "Es kann passieren, dass sie eines Tages bei richtigem Wind umstürzt." Und dabei die Garage oder das gerade frisch eingedeckte Hausdach trifft.Allerdings sind alle Bemühungen einer Fällung bislang im Sande verlaufen. Wilhelm Wokoun lief zum Ortsbürgermeister, der zwar nicht zuständig ist, sich aber hinter das Ansinnen des Rentners stellte. Dann informierte er die Gemeinde, das Amt Oder-Welse, die Kreisstraßenmeisterei und schließlich den Landkreis. So folgten mehrere Besichtigungen, Ortstermine, Begutachtungen. Doch es geschah nichts. "Keiner übernimmt Verantwortung", schimpft der Anwohner. "Aber wer bezahlt mir den Schaden, wenn der Baum auf mein Dach stürzt?" Dass der Baum tatsächlich krank ist, hat Wilhelm Wokoun sogar in einem unabhängigen Gutachten feststellen lassen. Und aus eigener Tasche bezahlt. Schäden am Stammfuß, holzzerstörende Insekten und die Miniermotte machen der rund 150 Jahre alten Kastanie zu schaffen. Sie bildet im Herbst nur noch untypisch kleine Früchte heraus. Eine Bohrkernprobe traf offenbar auch nur wenig gesundes Holz. Ergebnis: "Der Baum muss daher als extrem bruchgefährdet eingeschätzt werden", so der Gutachter. Eine Fällung wird empfohlen, weil eine Einkürzung auf Grund der Vorschäden nicht ratsam erscheint.Der Landkreis Uckermark als zuständige Behörde sieht hier jedoch vorerst keine Gefahr. Zumindest nicht an besagter Kastanie. Hubert Czerwinsky, Leiter des Bau- und Liegenschaftsamtes, hat sich das Jamikower Problem bei einer Vor-Ort-Besichtigung persönlich angesehen. Sein Eindruck: "Die Kastanie bleibt stehen. Andere Bäume in dieser Reihe sehen viel schlimmer aus." Zum Beispiel eine Eiche, deren Krone Totholz enthält und von der bereits in der Vergangenheit morsche Äste herabstürzten. Die Behörde hat die Kreisstraßenmeisterei jetzt beauftragt, einen der Bäume vor dem Grundstück von Wilhelm Wokoun zu fällen. Aus Sicherheitsgründen. Doch die umstrittene Kastanie bleibt, so die eindeutige Aussage von Hubert Czerwinsky. Da hilft auch kein Gutachten. Inzwischen treiben bereits die ersten Knospen an den Ästen.

Donnerstag, 07. April 2005

schoenow.com