Jamikow

Jamikow. (MOZ)

Mit Klebeband hat jemand versucht, ein Stück abbrechenden Putz an der Wand zu halten. Nässe dringt bis in die untere Etage. Von Beleuchtung kann keine Rede sein. Es gibt nur eine Steckdose im Raum. Aus dem Parkett lösen sich Holzstückchen. Dabei ist der frühere Gartensaal des Jamikower Gutshauses noch der besterhaltene Teil des heruntergekommenen Bauwerks. Schon von außen kann der Betrachter die Feuchtigkeitsschäden an Dach und Mauerwerk erahnen.Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung von Welsebruch mussten die Abgeordneten den unhaltbaren Zustand des kommunalen Gebäudes im Ortsteil Jamikow hautnah zur Kenntnis nehmen. So kam es, wie es kommen musste: Während der Einwohnerfragestunde machten Bürger und Dorfgemeinschaftsverein ihrem Ärger Luft. Sie wollten wissen, wann die Gemeinde endlich Gelder für das desolate Haus zur Verfügung stellt. "Es ist der einzige größere Raum, den Jamikow noch hat", hieß es aus den Reihen der Einwohner. "Hier muss dringend etwas getan werden." Sämtliche Gelder seien gestrichen worden. Der Dorfgemeinschaftsverein wolle sich die schrittweise Nutzung des Gutshauses auf die Fahne schreiben, doch niemand wisse, was die Gemeinde damit vorhabe. Es sei irrsinnig zu investieren, wenn die Zukunft nicht klar wäre. Bürgermeister Walter Henke machte auf die finanziellen Probleme aufmerksam. "Ich werde den Teufel tun, irgendeinem Verein vier- oder fünftausend Euro zu versprechen, wenn der Haushalt noch ungewiss ist", antwortete er. "Bisher weiß niemand, was aus dem Gebäude wird." Reparaturen werde man jedoch definitiv vornehmen lassen. Ziel der Gemeindevertretung sei es, erklärte Henke, sich mit den kommunalen Häusern in den Ortsteilen konzeptionell zu beschäftigen, um eine Nutzung zu klären. Das wäre schon aus finanzieller Sicht notwendig, da die Gemeindefinanzen nicht ins Uferlose steigen würden. Der Dorfgemeinschaftsverein hatte bereits Überlegungen angestellt, selbst zu investieren. Doch aus den Mitgliedsbeiträgen sei dies nicht zu machen, hieß es in der Einwohnerfragestunde. Bisher existiert auch kein Nutzungsvertrag mit der Gemeinde, der den Jamikowern ein dauerhaftes Belegungsrecht einräumen würde. Selbst ein Verkauf des Gebäudes ist noch nicht vom Tisch. Durch die fehlende Nutzung macht sich der schleichende Verfall weiterhin breit. Lediglich im Saal und in den angrenzenden Jugendklubräumen finden regelmäßige Veranstaltungen statt. Deshalb versprach der Bürgermeister: "Wenn es verkauft wird, muss sichergestellt werden, dass die Jamikower ein Veranstaltungshaus bekommen."


Dienstag, 03. Februar 2004

Vom Verfall bedroht: Gutshaus ohne Konzept
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