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Basisdemokratie ohne Statistenrolle

Schönow/Jamikow. Eine völlig neue Form der Demokratie entsteht in den Passower Ortsteilen Schönow und Jamikow. Eine gemeinsame unabhängige Bürgerschaft ohne Vereinsregister oder Parteizugehörigkeit kümmert sich ehrenamtlich um schwierige Probleme in den Dörfern. Das Gremium findet Zuspruch bei den Einwohnern.In gemütlicher Runde beim Bier im "Birkeneck" von Schönow wälzen sie schwere Aufgaben: Bürger aus den Ortsteilen, darunter beide Ortsbürgermeister, ein Unternehmer, der Feuerwehrchef, zwei neue Gesichter in der Runde. Keiner kassiert Geld, niemand will Ärger, es gibt keine Abstimmungen, kein Parteiengezänk, keine ellenlangen und unverständlichen Amtsvorlagen. Die neu gebildete Bürgerschaft von Schönow und Jamikow greift dort ein, wo sich Gemeindevertreter und Ortsbeirat seit Jahren schwer tun, keine Lösungen finden. Immer länger wird die Problemliste, die mittlerweile auf dem Papier steht. Das zusehends vergammelnde Gutshaus von Jamikow, der bald wasserlose Haussee von Schönow, schlechte Straßen und morsche Bäume, Zerstörungswut an öffentlichen Anlagen und selbst die Regenentwässerung gehören zu den Themen, die die Dorfdiskussionen bestimmen. "Die Ortsbeiratsmitglieder werden doch nur als Statisten abgestempelt", beklagt Wolfgang Steffini, selbst Mitglied im Schönower Gremium. "Und Bürgermeister Walter Henke hält Absprachen nicht ein", fährt er fort. Im Hintergrund der Runde schlummert der Gedanke, auch nach der Eingemeindung nach Passow die Geschicke der kleinen Ortsteile mitzusteuern. "Gerade der Haussee in Schönow ist ein gutes Beispiel, wie schlecht die Information zwischen Bürgermeister, Gemeindevertretung und Ortsbeirat funktio- niert", bemängelt Uwe Dülsen, Sprecher der Bürgerschaft. Dem immer leerer werdenden Gewässer stand die Gemeinde bislang hilflos gegenüber. Unklar sind weder die Ursachen für das Absinken des Wasserpegels noch mögliche Lösungen. Das gleiche Bild bietet das Jamikower Gutshaus. In einem seit Jahren währenden Hin und Her zwischen Verkauf, Sanierung, Nutzung und Umbau leidet das Gebäude unter teilweisem Leerstand. Ein Ende ist nicht in Sicht. "Aber es gibt wieder einen Interessenten", informiert Ortsbürgermeister Bernd Villwock, dem der Optimismus nicht ausgeht. Noch leerer sind die Hallen im Schloss Schönow. Das äußerlich sanierte Herrenhaus muss bereits erste Witterungsschäden an der Fassade hinnehmen. In schlechtem Zustand befinden sich die Regenabläufe. "Und von Sicherheit kann keine Rede sein", sagt Wolfgang Steffini. Die Bürgerschaft will eingreifen und mit der Gemeindevertretung sowie dem Amt für viele ungeklärte Dinge Abhilfe schaffen. Unterstützung wurde nicht nur bei der Untersuchung des Haussees zugesagt, sondern auch beim Aufbau des Feuerwehrgerätehauses in Schönow. Wie die Kostenschätzung für die neue Halle zustande kam, kann sich niemand in der Runde erklären. Jetzt holt sich die Bürgerschaft Akteneinsicht, um bei Planung, Finanzierung und Bauablauf im Bilde zu sein. Man verlangt Transparenz bei solchen wichtigen Vorhaben und holt sie sich notfalls persönlich. Mitte November wollen die im losen Zusammenschluss verbundenen Bürger an die Öffentlichkeit gehen. Zwar sind Mitstreiter, Einwohner und Gäste bei jeder Sitzung gern zur Mithilfe eingeladen, doch soll nun in einer großen Informationsveranstaltung über die ersten Ergebnisse berichtet werden. Basisdemokratisch und ohne Behördenzwänge. Bis dahin wartet noch ein Berg an Aufgaben, der zu bewältigen ist.

Quelle: www.moz.de Freitag, 20. Oktober 2006 (09:02)

Für mehr Mitspracherecht
Themen
  1. Haussee Schönow - Wassergräben, Herr Stornowski ist eingeladen
  2. Feuerwehrhaus Schönow - es ist erneut ausgeschrieben, einem Antrag auf Akteneinsicht ist bislang vom Amt nichtstattgegeben worden.
  3. Teich Jamikow, die Untersuchungsergebnisse liegen vor
  4. Auswertung Ortsbegehungen (Protokolle sind vom Amt trotz mehrfachen Mahnens nicht ausgereicht worden)
  5. Aktuelles (Jeder Bürger, jede Bürgerin kann vorher bei Herrn Dülsen in Jamikow oder Herrn Meißner in Schönow, auch anonym, Sorgen zu Dorfzuständen in den Postkasten werfen - oder sich per E-mail an uns wenden)
Informationen vom 20.10.2006

schoenow.com