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Jamikow. Der Holzwurm klappert mit den Zähnen. Vor Angst. Schon als die ersten Töne aus den großen Flöten erklangen, hörte er auf, am Gebälk zu knabbern und verschluckte sich. Den Appetit verschlagen hat ihm ein Benefizkonzert der Kirchgemeinde Jamikow, das eigens seinem Untergang geweiht wurde. Für die dringende Schädlingsbekämpfung im historischen Gotteshaus waren am Wochenende Kinder und Frauen des Dorfes und der Umgebung angetreten. Sie musizierten und sangen, trugen Frühlings- und Sommerlieder vor. Der Erlös des Nachmittags sollte vollständig für den Erhalt der Kirche sein. Denn im Gestühl und auf der Empore, an vielen Holzteilen, die bisher unbeschadet die Zeiten überstanden hatten, fand der Holzwurm Geschmack. Kleine Häufchen des typischen Mehls hatten die Frauen des Dorfes noch vor dem Konzert eiligst beseitigt.
Knapp 600 Euro sind nötig, um die Bekämpfung vornehmen zu lassen. Doch das alte Kirchengebäude könnte noch weit mehr Finanzen vertragen. Der Innenraum müsste renoviert, ein Fenster restauriert werden. Auf der desolaten Orgel spielt höchstens der Holzwurm. "Wir haben eigentlich gar kein Geld zur Verfügung", sagen die Frauen des Gemeindekirchenrates. "Deshalb hoffen wir mit kleinen Konzerten auf Spenden."
Das Dach wurde zwar vor einigen Jahren saniert, aber für die erst vor drei Wochen instandgesetzte Kirchhofsmauer musste man sogar einen Kredit bei der Schwedter Kirchgemeinde aufnehmen. "Das Läutewerk ist inzwischen in Eigenregie elektrifiziert worden", berichtet Katechetin Annette Gutschke, die sich um den Erhalt des Bauwerks kümmert und dafür selbst zum Instrument greift. Sie brachte Frauengruppe, Kinder der Musikschule Schwedt und des Kirchenkreises Uckermark zueinander. Allesamt spielten und sangen vor etwa 50 Zuhörern, womit die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Die mehr als 1,50 Meter großen Kontrabass- und Subbassflöten bliesen dem Holzwurm die letzte Stunde.
Seit mittlerweile 16 Jahren führen Annette Gutschke und die Block- und Querflötenlehrerin Gudrun Andres immer wieder Schüler bei musikalischen Proben zusammen, deren Ergebnis eine kleine Konzertaufführung ist. Für die Kinder eine besondere Erfahrung, als "Orchester" vor Publikum musizieren zu können. Für das Publikum ein Genuss. Und für den Holzwurm ein Greuel. Wenn die benötigte Summe im Kirchensäckel steckt, spielt der Schädlingsbekämpfer auf.
(MOZ Sonntag, 22. Mai 2005 von Oliver Schwers)